2. Herren: Heute mal ein etwas anderer Spielbericht

Nachdem unser Ende der Hinrunde aufs nächste Jahr verschoben wurde, kamen zu unserem letzten Spiel des Jahres die 2. Herren der Walddörfer, erster Verfolger des Führungsduos. Davon wollten wir uns nicht schrecken lassen. Mit einem Erfolgserlebnis sollte das Jahr abgeklungen werden, um auch den Abstand nach unten etwas zu vergrößern.

Was dann kam, ist aus unserer Perspektive einer näheren Beschreibung unwürdig. Mein Therapeut hat mir entgegen sonstiger Aufarbeitungen empfohlen, mich ganz der Verdrängung hinzugeben. So habe ich am Tag danach meinen schwarzen Rollkragenpullover angezogen und es mir vorm Kamin gemütlich gemacht, um ein wenig Trost in der existentialistischen Philosophie zu suchen. Dort habe ich Hoffnung gefunden. Denn auch wenn der alte Jean-Paul Sartre (1905-1980), der mit Sport offensichtlich nicht viel am Hut hatte, seine Philosophie in seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ auf mehr als Tausend seiten ausgebreitet hat, lässt sich der Kern der existentialistischen Philosophie recht knapp auf den Punkt bringen: Sie besagt, dass die Existenz des Menschen der Essenz vorausgehen. Das heißt, dass es kein vorherbestimmtes Wesen des Menschen gibt. Vielmehr entwirft oder konstruiert der Mensch sein Wesen selbst. Und indem der dies tut, entwirft er das Wesen der gesamten Menschheit.

Ich sprang auf, zog den Rollkragenpullover wieder aus, der schon am Hals anfing zu kratzen, und warf ihn in den Kamin. Was hilft es, Trübsal zu blasen? Nichts! Genau. Deswegen sollten wir nach vorne schauen. Das, was die Walddörfer am Samstag mit Schrecken kennenlernen mussten, hatte dem Wesen nach nichts mit einem Basketballteam zu tun. Es war im Grunde ein Nichts. Und genau darin liegt unsere Chance. Die 2. Herren des HSV sind ein Nichts. Sie sind reine Existenz. Und genau darin liegt ihr Potenzial. Wenn wir dem Wesen nach nichts sind, können wir noch alles sein. Es liegt dann in unserer Hand, zu bestimmen, wie wir sein werden.

Ich habe dann nochmal mit meinem Therapeuten darüber gesprochen. Er hatte keine Ahnung, wovon ich spreche, und meinte, ich solle dann mal halt keinen Spielbericht schreiben. Der Typ wird auch überbezahlt.

Lesen wir lieber einen weiteren Philosophen: „Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages.“ (Demokrit) Aber manchmal, wenn man denkt, es könne nicht mehr schlimmer werden, wird es dann noch schlimmer: Niklas, der erst im Sommer zu uns gestoßen ist und uns menschlich sowie sportlich, also menschlich bereichert hat, hatte am Samstag sein letztes Spiel. Wie sagt man? Tschüs!

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